Ein Pullover mit Raglan von oben (RVO) oder unten (RBU) gestrickt, sitzt perfekt, wenn die Maße stimmen. Doch wie viele Maschen musst du anschlagen? Und wie oft wird zugenommen, damit der Halsausschnitt und die Ärmel perfekt passen? Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung und den passenden Formeln behältst du den Überblick, ganz ohne Frust und stundenlanges Aufribbeln.
RVO oder lieber RBU?
Bevor du loslegst, stehst du vor der Grundsatzfrage: „Lieber von oben oder von unten stricken?“
Raglan von oben (RVO)
Du startest am Kragen, kannst den Pullover während des Strickens immer wieder anprobieren und die Länge von Rumpf und Ärmeln ganz einfach anpassen. Zudem musst du am Ende nichts zusammennähen.
Raglan von unten (RBU)
Ideal, wenn du den Sitz des Rumpfes und der Bündchen von vornherein genau kennst. Du strickst Rumpf und Ärmel getrennt bis zur Achsel, fügst sie auf einer Nadel zusammen und nimmst nach oben hin ab.
Wichtig bei der Musterwahl
Bei RVO strickst du über Kopf (von oben nach unten). Das bedeutet, Muster müssen entsprechend ausgerichtet sein. Aufwendige Motive, die „von unten wachsen“, stehen später auf dem Kopf und müssen spiegelverkehrt oder gedanklich umgedreht geplant werden.
Egal, für welche Richtung du dich entscheidest, eine Maschenprobe ist das A & O. Falls du nicht weißt wie eine Maschenprobe funktioniert, kannst du das im Journal nachlesen.
Die Vorbereitung
Miss am besten an einem gut sitzenden Lieblingspullover oder direkt am Körper (inkl. etwas Bewegungsspielraum / Positive Ease, je nach gewünschter Passform).
- Halsumfang / Ausschnitt: Wie weit soll der Halsausschnitt sitzen? (Wichtig für den Anschlag bei RVO).
- Brustumfang: Die breiteste Stelle der Brust (inkl. gewünschter Mehrweite, z. B. +5 bis 10 cm für einen gemütlichen Sitz).
- Raglanlänge (Passenhöhe): Die Strecke von der Schulterkante / dem Halsansatz schräg hinunter bis zur Achsel. Richtwert: ca. 18–24 cm je nach Größe.
- Armausschnitt / Brusttiefen-Erweiterung: Bei RVO wird die Passe gestrickt, bis Vorder- und Rückenteil weit genug sind. Die Raglanlinie muss lang genug sein, damit es unter den Armen nicht spannt!
- Ärmellänge (ab Achsel): Die Länge vom Unterarm bis zum Handgelenk (abzüglich der Bündchenhöhe).
- Armumfang (Oberarm): Wichtig, damit der Ärmel nicht zu eng wird, bevor er unter der Achsel ankommt.
Raglan von oben (RVO)
Schritt A: Maschenanschlag berechnen
Gesamtanschlag = [Halsumfang in cm] / 10 x [Maschenanzahl auf 10 cm]
Schritt B: Die Maschen-Aufteilung
Die Gesamtmaschen werden, z.B. mit Hilfe von Maschenmarkierern, aufgeteilt in:
- 4 Raglanlinien (jeweils 1 bis 2 Maschen pro Linie, die als optische Trennung dienen).
- Rückenteil: ca. 35%
- Vorderteil: ca. 35%
- Ärmel (2 Stück): je ca. 15%
Beispiel
Wenn Du 100 Maschen im Gesamtanschlag hast und 2 Maschen pro Raglanlinie planst, müssen diese vom Gesamtanschlag abgezogen werden (100 – 4 * 2 = 92 Maschen).
Nun berechnest Du die einzelnen Bereiche wie folgt:
- Rückenteil: 92 * 0,35 = 32,2 (rund 32 Maschen)
- Vorderteil: 92 * 0,35 = 32,2 (rund 32 Maschen)
- Ärmel: 92 * 0,15 =13,8 (rund 14 Maschen)
Nun prüfst du das Ergebnis, indem du die Maschen für Rückenteil, Vorderteil, zweimal Ärmel und die Raglanlinien addierst. Das Ergebnis sollte deinem Gesamtanschlag entsprechen. Weicht es durch die Rundungen leicht ab, so kannst du den Gesamtanschlag leicht korrigieren und die Maschen bei Vorder-/Rückteil hinzunehmen bzw. abziehen.
32 + 32 + 14 + 14 + 8 = 100
Nun setzt du die Maschenmarkierer (MM) wie folgt:
- zähle 32 Maschen (Vorderteil)
- MM setzen, 2 Raglan-Maschen, MM setzen
- zähle 14 Maschen (rechter Ärmel)
- MM setzen, 2 Raglan-Maschen, MM setzen
- zähle 32 Maschen (Rückenteil)
- MM setzen, 2 Raglan-Maschen, MM setzen
- zähle 14 Maschen (linker Ärmel)
- MM setzen, 2 Raglan-Maschen, MM setzen
Schritt C: Zunahmen und Raglanlänge
In jeder 2. Runde (bei glatt rechts) wird vor und nach jeder der 4 Raglanlinien je 1 Masche zugenommen (das sind pro Zunahmereihe insgesamt 8 Maschen).
Du strickst so lange weiter, bis die Raglanlänge (gemessen ab Schulter) erreicht ist und der Umfang unter den Achseln (Vorderteil + Rückenteil + beide Ärmelmaschen) bequem um deinen Oberkörper passt.
Nun nimmst du die Ärmelmaschen auf einen Hilfsfaden oder eine andere Rundstricknadel und legst sie damit still. Es empfiehlt sich, für einen besseren Sitz unter den Achseln, in der ersten Runde (bei jeder Rumpfseite und den Ärmeln) ein paar neue Maschen (z. B. 2–6 Luftmaschen) anzuschlagen.
Nun kannst Du den Rumpf und die Ärmel getrennt voneinander weiter nach unten stricken. Bist du damit fertig, sind noch die Luftmaschen von Rumpf und Ärmeln miteinander zu vernähen. Fertig!
Raglan von unten (RBU)
Schritt A: Rumpf und Ärmel separat arbeiten
- Rumpfteil: Anschlagen im Bündchenmuster, dann hochstricken bis zur Achselhöhe (entspricht der Gesamtlänge minus die Raglanlänge und Bündchen).
- Ärmel (2 Stück): Bündchen anschlagen, in Runden nach oben stricken. Dabei gleichmäßig in regelmäßigen Abständen Zunahmen an der Ärmelinnenseite arbeiten, damit der Arm nach oben hin breiter wird (bis zum Oberarmumfang kurz vor der Achsel).
Schritt B: Die Hochzeit
Wenn Rumpf und Ärmel ihre Höhe bis zur Achsel erreicht haben, werden alle Teile auf eine große Rundstricknadel geschoben oder gestrickt. Erst die Maschen vom Vorderteil, dann die eines Ärmels, dann Rückenteil, dann der zweite Ärmel.
An den Übergängen (unter den Achseln) lässt du ein paar Maschen ungestrickt bzw. kettest sie zusammen, um das typische „Achsel-Loch“ zu vermeiden.
Schritt C: Abnahmen für die Raglanpasse
Ab hier strickst du in Runden weiter nach oben und machst das Gegenstück zum RVO. In jeder 2. Reihe wird vor und nach den 4 Raglanlinien abgenommen (jeweils 2 Maschen zusammenstricken).
Da du hier von unten nach oben arbeitest, ist die Ärmellänge bereits fix. Die Abnahmen laufen so lange gleichmäßig weiter, bis der gewünschte Halsausschnitt erreicht ist.
MEEMEA-Tipps
Achte bei deinen Zunahmen (RVO) oder Abnahmen (RBU) an den Linien darauf, wie du sie arbeitest. Verschränkte Zunahmen aus dem Querfaden verhindern unschöne Löcher. Zudem können Zu- und Abnahmen rechts oder linksgeneigt gestrickt werden, was ein harmonischeres Bild ergibt.
Oft bekommt das Rückenteil bei RVO ein paar verkürzte Reihen, sogenannte German Short Rows, damit der Halsausschnitt vorne tiefer liegt als hinten. Dies kann auch bei Rollkragen-Pullovern den Sitz und damit das Tragegefühl verbessern.
Schau dir dazu gerne die MEEMEA-Strickschrift an!